Trauer macht sprachlos & sie macht die Hände leer.
Vor wenigen Tagen interviewte mich eine angehende Ergotherapeutin zu Kunsttherapie und Trauerbegleitung für eine Facharbeit. Sie fragte:
Was ist das Besondere an kunsttherapeutischer Trauerbegleitung?
Das Erste, was mir einfiel, war: Tod macht die Hände leer.
Wenn ein Mensch stirbt, wenn wir etwas verlieren, das uns so lieb, so kostbar ist, macht uns das hilflos. Wir stehen mit leeren Händen da.
Kunsttherapie gibt uns die Möglichkeit, unsere Hände wenigstens für einen Moment wieder zu füllen. Mit Pinsel, Farbe, Papier, Ton ...
Wir können Erinnerungen gestalten, Verbindungen sichtbar machen, neue Wege auf dem Papier entdecken und unserem Schmerz, unserer Trauer, unserem Gefühlstohuwabohu eine Form geben.
Ein weiterer Aspekt ist für mich die Sprache.
Trauer ist gefüllt mit Unsagbarkeiten.
Vielleicht, weil wir kein Trauervokabular gelernt haben. Vielleicht auch, weil es gesellschaftliche Vorstellungen davon gibt, was gesagt werden darf und was nicht. Vor allem aber, weil wir für das, was wir gerade erleben und fühlen, keine Worte haben.
Ich finde es immer wieder berührend zu sehen, wie etwas, das plötzlich einen Namen bekommt, greifbarer wird. Ich kann es händeln und einen Umgang damit finden. Und manchmal ist allein das Benennen und das damit verbundene Erkennen schon eine Lösung. Ein Aufatmen.
Ein:
Ah, ja.
Ach darum.
Ach.
Ein dritter Aspekt ist für mich Kunst und Gestaltung in der Schleusenzeit, der Zeit zwischen Tod und Trauerfeier.
Eine Zwischenzeit, in der viel organisiert werden muss und sich der Tod und die Abwesenheit noch so unwirklich anfühlen. Ich habe erlebt, dass gerade das Gestalten in dieser Zeit sehr hilfreich sein kann, wenn ein Sarg bemalt, ein Urnentuch gestaltet oder kleine Abschiedsgeschenke und Sargbeigaben angefertigt werden. Ich habe erlebt, wie zwischen Tränen Lachen entsteht. Wie Menschen gemeinsam erinnern. Und wie sie später sagen, dass sie dankbar für diese Erfahrung sind und nun anders weitergehen.
Wir begreifen mit den Händen.
Vielleicht kommt das Wort genau daher.
Und vielleicht sind unsere Hände im Begreifen manchmal schneller als Kopf & Herz